Lernen Sie das BUS2BUS Advisory Board kennen: Dr. Britta Oehlrich
Dr. Britta Oehlrich gestaltet als vhh.mobility-Geschäftsführerin und Mitglied des BUS2BUS Advisory Boards den klimafreundlichen Nahverkehr mit.
Nachhaltiger Nahverkehr ist für Dr. Britta Oehlrich tägliche Praxis: Als Geschäftsführerin der vhh.mobility in Hamburg treibt sie den Ausbau moderner und klimafreundlicher Mobilitätsangebote voran. Im Advisory Board der BUS2BUS bringt sie diese Praxiserfahrung in die Diskussion über die Zukunft des Busverkehrs ein. Darüber hinaus setzt sie sich mit Nachdruck für die Sichtbarkeit und Förderung von Frauen im ÖPNV ein und unterstreicht damit die Bedeutung von Vielfalt und Chancengleichheit in der Branche.
1. Welche Entwicklungen prägen die Bus- und Mobilitätsbranche aktuell am stärksten?
Im Moment erleben wir in der Branche einen tiefgreifenden Wandel, und das gleich auf mehreren Ebenen. Ganz vorne stehen Themen wie Elektrifizierung und alternative Antriebe. E-Busse, Ladeinfrastruktur und ein intelligenter Umgang mit Energie sind inzwischen zentrale Bausteine unseres Alltags. Auch Nachhaltigkeit prägt unser Denken und Handeln immer stärker. Bei vhh.mobility sehen wir CO₂-Reduktion, grüne Beschaffung und Recycling nicht nur als Pflicht, sondern als echten Schlüssel, um unsere Klimaziele zu erreichen. Dazu kommt der Fachkräftemangel, der uns dazu motiviert, neue Arbeitsmodelle zu entwickeln, faire Bezahlung sicherzustellen und unsere Berufsbilder attraktiver zu gestalten. Und natürlich hängt vieles auch von der Finanzierung ab, gerade für kommunale Unternehmen, die auf politische Entscheidungen angewiesen sind. Ein weiteres Zukunftsthema ist das autonome Fahren. Wir stehen kurz davor, dass diese Technologie Realität wird, und fragen uns, was das für uns, unsere Fahrgäste und die Branche insgesamt bedeutet.
2. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Arbeitsumfeld und welche Chancen sehen Sie für die Branche?
Nachhaltigkeit ist bei uns kein Trend, sondern fester Bestandteil unserer DNA.
Als Deutschlands drittgrößte kommunale Busbetreiberin haben wir eine klare Vision: Wir wollen mobile Lebensqualität schaffen – für die Menschen in Stadt und Land, in der gesamten Metropolregion Hamburg. Die Stadt Hamburg verfolgt ehrgeizige Klimaziele, vom Luftreinhalteplan bis hin zum Hamburger Zukunftsentscheid, und wir als vhh.mobility leisten mit der Umstellung unserer Flotte auf Elektroantrieb und CO2-reduziertes Bauen unserer Betriebshöfe einen direkten Beitrag dazu. Durch nachhaltige Beschaffung verstärken wir diesen Effekt noch. Ich sehe darin eine riesige Chance: Wir gestalten die klimafreundliche, lebenswerte Stadt von morgen aktiv mit. Und genau das macht unsere Arbeit so erfüllend.
3. Was erwarten Sie von der BUS2BUS 2026?
Ich freue mich besonders auf neue Impulse, ob politisch, technologisch oder strategisch. Vor allem aber ist der persönliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Verkehrsunternehmen für mich das Herzstück der Veranstaltung. Wir alle stehen vor ähnlichen Herausforderungen, und gerade deshalb profitieren wir so sehr voneinander. Dieses Miteinander und die gemeinsame Lernbereitschaft empfinde ich als großen Gewinn.
4. Gibt es eine Buslinie, die Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt?
Oh ja, die Hamburger Linie 3. Sie verbindet mein Zuhause mit meinem Arbeitsplatz, fährt mitten durch das Herz der Stadt und ist natürlich eine Linie von vhh.mobility.
Ich kenne viele Fahrerinnen und Fahrer persönlich, und dieser kurze Austausch beim Ein- oder Aussteigen gehört für mich einfach dazu. Das macht jede Fahrt ein kleines Stück besonders.
5. Wenn Sie nicht in der Mobilitätsbranche arbeiten würden – was würden Sie stattdessen tun?
Da gäbe es vieles, was mich reizen würde – Gastronomie, Tourismus, vielleicht der Buchhandel. Wichtig wäre mir vor allem, nah an Menschen zu sein, in Bewegung zu bleiben und etwas Sinnvolles zu tun. Aber ehrlich gesagt: Am liebsten bleibe ich genau da, wo ich jetzt bin – beim ÖPNV!
6. Welche Innovation aus Ihrem Unternehmen könnte bundesweit Vorbild sein?
Ein echtes Vorzeigeprojekt ist ahoi, die Automatisierung des Hamburger On-Demand-Angebots im Bezirk Harburg. Im Rahmen des On-Demand-Verkehrs hvv hop bringen wir dort eine gemischte Flotte aus autonomen und manuell gesteuerten Fahrzeugen auf die Straße. Dazu gehören eine integrierte Leitstelle, barrierefreie Anwendungen und begleitende Forschung, etwa zur Akzeptanz bei den Fahrgästen. Ich bin überzeugt: Das ist ein wegweisender Schritt für den öffentlichen Nahverkehr und zeigt, wie Innovation, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Nutzen Hand in Hand gehen können.