Lernen Sie das BUS2BUS Advisory Board kennen: Maximilian Rohs
Maximilian Rohs gestaltet als Director Public Transport Leader bei PwC Deutschland und Mitglied des BUS2BUS Advisory Boards die Infrastruktur der Mobilität von morgen mit.

Wie sieht die Infrastruktur für die Mobilität von morgen aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich Maximilian Rohs, Director Public Transport Leader bei PwC Deutschland. Als Mitglied des BUS2BUS Advisory Boards setzt er sich dafür ein, die Rolle des Busses als Schlüssel zur nachhaltigen Mobilitätswende zu stärken – durch innovative Ansätze in Dekarbonisierung, Digitalisierung und Automatisierung sowie wirtschaftlich tragfähige Lösungen.
1. Welche Entwicklungen prägen Ihrer Meinung nach die Bus- und Mobilitätsbranche aktuell am stärksten?
Die Situation in der Mobilitätsbranche war wahrscheinlich selten spannender als heute – aber durchaus auch selten angespannter. Die technologischen Fortschritte der letzten Jahre schaffen ganz neue Möglichkeiten für die Gestaltung von nachhaltigen und kundenorientierten nahtlosen Mobilitätsangeboten, und zwar sowohl räumlich, zeitlich als auch digital. Auf der einen Seite befinden wir uns im Bereich der öffentlichen Mobilitätsangebote daher vor tiefgreifenden Veränderungen in der Wertschöpfungskette. Die Elektrifizierung der Antriebsstränge macht Busunternehmen vom Fahrzeug- zum Systembetreiber. Viel stärker noch wird das hochautomatisierte Fahren absehbar die gesamte Produktionskette verändern und gleichzeitig große Potenziale auf der Angebotsseite erschließen. Und nicht zuletzt das D-Ticket wird einen deutlichen Schub in Sachen Digitalisierung der Kundenschnittstelle bewirken, wenn auch etwas zeitverzögert. Andererseits ist die wirtschaftliche Situation im Bereich des ÖPNV extrem angespannt. Insbesondere die strukturellen Kostensteigerungen der letzten Jahre und eine tendenziell rückläufige Produktivität führen in einem sehr personalintensiven Geschäft gepaart mit einer dramatischen Lage in den öffentlichen Haushalten und verschobenen politischen Prioritäten führt derzeit zu Debatten um Angebotskürzungen und einem anwachsenden Sanierungsstau. Dem gilt es entgegenzuwirken – gemeinsam durch ÖPNV-Branche, Politik, Sozialpartner und Industrie.
2. Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Arbeitsumfeld und welche Chancen sehen Sie für die Branche?
Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. Allerdings ist es hierbei wichtig zu differenzieren. In den letzten zehn Jahren lag der politische Fokus weit überwiegend auf umweltbezogener Nachhaltigkeit – dies ist angesichts der globalen klimatischen Veränderungen auch absolut zu begrüßen. In der Folge hat der ÖPNV als klimafreundliche Mobilitätslösung eine zentrale Rolle eingenommen, wenn es darum ging, unser Mobilitätssystem weiterzuentwickeln. Geld spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle. Heute zeigt sich aber umso mehr, dass auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit ein zentraler Aspekt für ein zukunftsfähiges öffentliches Mobilitätssystem ist. Nur ein effizienter ÖPNV wird langfristig in der Lage sein, die klimabezogenen Vorteile auch flächendeckend und in einer alltagstauglichen Dichte auf die Straße und Schiene zu bringen. Technologie wird dabei eine Schlüsselrolle einnehmen, in dem die Wertschöpfungskette digitalisiert wird, Mobilitätsdaten konsequent erhoben und für die Angebotsgestaltung genutzt werden und zunehmend hochautomatisierte Verkehre flexibel und bedarfsgerecht auf- und ausgebaut werden. Dabei gilt es jedoch auch, die Hausaufgaben im Hintergrund nicht zu vergessen – beispielsweise durch strukturelle Anpassungen der gesamten ÖPNV-Organisation an die heutigen Bedingungen. Und last but not least darf ein weiterer, in der aktuellen Zeit umso wichtigerer, Nachhaltigkeitsaspekt nicht vergessen werden: die soziale Nachhaltigkeit. Denn gerade der Bus sichert auch in ländlichen, dünn besiedelten Räumen die Teilhabe und den Zugang zu Versorgung – und gerade hier besteht in Zukunft sicher noch großes Potenzial.
3. Welche Erwartung haben Sie an die BUS2BUS 2026 – welche Themen sollte die Branche dort besonders diskutieren?
Die BUS2BUS ist der perfekte Ort, um die oben skizzierten Transformationsprozesse voranzutreiben. Hier kommen alle relevanten Player zusammen und können sich vor Ort ansehen, wie zukunftsgerechte, innovative Mobilitätslösungen aussehen und was es mittlerweile für Möglichkeiten gibt. So wird die Leistungsfähigkeit des ÖPNV und insbesondere des Busses als Rückgrat der Mobilität der Zukunft ins Schaufenster gestellt – dies ist aufgrund der aktuellen politischen Diskussionen sehr wichtig. Gleichzeitig bietet das vielfältige Kongressprogramm zu den drängenden Themen der ÖPNV-Branche nicht nur Inspiration, sondern setzt durch den intensiven Austausch auch wichtige Impulse für den dringend notwendigen Wandel in der Mobilität! Dementsprechend ergibt sich aus meiner Sicht dann auch der inhaltliche Schwerpunkt im Gleichklang von Innovation, Wirtschaftlichkeit, Umwelt, Kundenfokus und Daseinsvorsorge.
4. Gibt es ein Erlebnis mit dem Bus, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Der Bus hat schon in Kindheitstagen eine prägende Rolle für mich gespielt – auf dem Weg zur Schule, wo man früh am Tag seine Freunde getroffen und viel Spaß zusammen hatte, manchmal auch die ausstehenden Aufgaben noch last minute erledigt hat. Vor allem aber ist unser Stammbusfahrer Bernd vom Omnibusbetrieb Wilde in Bochum bis heute in bester Erinnerung. Er hat uns immer am Freitag zur „Bude“ geschickt, um für einen Fünfer eine gemischte Tüte Süßigkeiten zu holen, die wir dann gemeinsam mit Ihm vorne im Bus vertilgt haben – und uns alle auch ein wenig Stolz wie kleine Helden der Straße gefühlt haben. Diese Erinnerung zeigt eines: Die Menschen die tagtäglich im ÖPNV mit viel Herzblut arbeiten, machen nicht nur einen extrem wichtigen Job, sondern sind die wahren Botschafter einer nachhaltigen Mobilität.
5. Wenn Sie nicht in der Mobilitätsbranche arbeiten würden – in welchem Bereich könnten Sie sich stattdessen sehen?
Da ich das große Glück habe, mit der Mobilität in einem Bereich zu arbeiten, die mich schon seit Jugendtagen begeistert, möchte ich gar nicht daran denken. Allerdings hätte es mich um ein Haar zumindest in einen anderen Bereich innerhalb der Mobilität verschlagen: in den Luftverkehr. Während meines Studiums konnte ich sowohl bei Airlines, Flughäfen als auch bei Airbus Erfahrungen sammeln und eigentlich war der Weg vorgezeichnet. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich sehr froh bin, auf dem Boden geblieben zu sein – denn der ÖPNV ist ein faszinierendes und extrem vielfältiges Betätigungsfeld mit sehr vielen tollen Menschen mit denen es Freude macht, Dinge voranzutreiben.
6. In Ihrer Rolle bei PwC begleiten Sie zahlreiche Infrastrukturprojekte. Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel, um öffentliche und private Investitionen in nachhaltige Busmobilität besser zu verzahnen?
Diese Frage kann man sicherlich nicht pauschal beantworten, da das Thema im Detail komplex ist. Gleichwohl bin ich überzeugt davon, dass ein leistungsfähiges, modernes und flächendeckend attraktives Mobilitätsangebot – wie wir beispielsweise für den VDV unter Einbindung der gesamten Branche mit dem Deutschlandangebot 2040 erarbeitet haben – nur durch eine Bündelung aller Ressourcen zu erreichen ist. Und dazu gehört unbedingt auch privates Engagement und Kapital, denn gerade hierdurch kann beispielsweise eine schnelle Skalierung erfolgen. Konkret kann das sowohl der Aufbau und Betrieb von autonomen Mobilitätsangeboten sein, wo sich öffentlich-private Partnerschaften anbieten, als auch innovative off-balance Finanzierungsmodelle für die Beschaffung und den Betrieb der Infrastruktur und Fahrzeuge für Elektrobussysteme. Wenn sowohl öffentliche Hand als auch Unternehmertum Ihre Stärken einbringen, bin ich überzeugt davon, dass ein starker ÖPNV die Mobilität in Zukunft noch viel mehr prägen wird, als es heute der Fall ist.