Seiteninhalt

Zur Übersicht

Kernkompetenz Prompten: Künstliche Intelligenz richtig anleiten

In einer Sache waren sich die Speaker Bilal Zafar und Dr. Patrick Ayad am Donnerstag einig: Im Hinblick auf Künstliche Intelligenz (KI) und ihren Einsatz betonten beide, wie wichtig es sein wird, präzise Anforderungen zu formulieren.

Während Bilal Zafar, erfolgreicher Gründer von zwei Internet-Unternehmen, Visionär und erprobter sowie enthusiastischer Nutzer von KI in seiner Keynote über Möglichkeiten sprach, Künstliche Intelligenz als „größte Chance, die die Menschheit je hatte“ bezeichnete und das Publikum spielerisch zu ihrer Nutzung ermutigte, thematisierte Patrick Ayad, Global Managing Partner Sectors bei Hogan Lovells und weltweit führender Experte für internationale Vertragsgestaltung, globales Einkaufs- und Vertriebsrecht sowie Regulierungsfragen die Umsetzung und den Rechtsrahmen für autonome Mobilität.

Gezielte Anweisungen geben

Das Stichwort: „Prompten“ stand bei beiden Vorträgen im Fokus. Promts sind gezielte Anweisungen, die ein KI-Modell benötigt, um spezifische Aufgaben zu erfüllen. Zafar präsentierte dem Publikum seine ausführlichen Anweisungen an Chat GPT, um eine Mail an das Ordnungsamt zu verfassen. Er war zu schnell in einer Lärmschutzzone gefahren. „Ich fahre Tesla. Ich mache keinen Lärm“, sagte er. Die KI formulierte das Schreiben etwas professioneller. „Da Sie ein Elektrofahrzeug besitzen, wird ihr Verfahren wie gewünscht eingestellt“, lautete die Antwort der Stadt Freiburg.

„Beim Prompten ist es wichtig, genau zu wissen, was man will und was man nicht will“, sagte Zafar. Er erklärte darüber hinaus, wie man KI nutzen kann, um unverständliche Parkanweisungen in einem Satz zu vermitteln und wie in Santa Monica, Kalifornien, mit Hilfe des KI-Startups Hayden AI, Busse mit speziellen Kameras ausgestattet werden, die das Geschehen auf der Busspur aufzeichnen. Fahrzeuge, die gegen Regeln verstoßen, auf den für den Busverkehr reservierten Fahrspuren fahren, anhalten oder sogar parken, werden auf diese Weise markiert. Zudem wird automatisch ein Bericht erstellt, der nahezu in Echtzeit zur Ausstellung von Strafzetteln verwendet werden kann. „In zehn Jahren gibt es eine KI, die alles ausführen kann, was heute wir Menschen machen“, sagte Zafar.

Bilal Zafar im Portrait

Bilal Zafar im Portrait

Menschliches Verhalten einplanen

Patrick Ayad holte die Möglichkeiten in die gesetzlich geregelte Realität. In seinem Vortrag: Der autonome Bus – der Rechtsrahmen für autonome Mobilität in Deutschland, sprach er über Testgenehmigungen, über die nationale Ebene, die europäische und die internationale Ebene und die Straßenverkehrsordnung, in der beispielsweise steht, dass vor dem Abbiegen ein Schulterblick erforderlich ist. „All diese Ordnungen muss man einem autonomen Fahrzeug beibringen. Manche sind nicht umsetzbar. Wie soll das autonome Fahrzeug einen Schulterblick machen? Dafür müssen wir uns etwas überlegen“, sagte er.

Darüber hinaus muss menschliches Verhalten eingeplant werden. Er fragte die Fachbesucher:innen, was sie machen, wenn sie auf einen Zebrastreifen laufen. Die meisten zögern kurz, interpretieren die Zeichen des auf sie zufahrenden Verkehrsteilnehmers und bauen Augenkontakt mit der Person im Wagen auf. Wie wirkt sich ein autonomes Fahrzeug auf dieses Verhalten aus? Kann man dem Fahrzeug mitteilen, dass es einen blinkenden Smiley auf der Kühlerhaube anzeigen soll, sobald es bremst?

„Nicht die KI ist böse, sondern wir Menschen“

Aktuell passieren 96% der Unfälle wegen menschlicher Fehler, erklärte Patrick Ayad. Was aber passiert, wenn die Technik einen Fehler verursacht, wird es längere Verfahren geben, weil die Schuldfrage unter den Mobilitätsanbietern nicht geklärt werden kann? Es gibt viel zu Bedenken, zu testen und zu diskutieren. Bilal Zafar fordert: „Wir brauchen Mut statt Bürokratie, damit wir das Thema KI anschieben können. Wenn wir weiter Aktenordner sortieren, wird das nichts.“

Zafar bezeichnet KI als „die größte Chance, die die Menschheit je hatte“. Auf die Frage, ob die Modelle nicht auch gefährlich sind, ob gefälschte Fotos oder unechte Texte sowie autonome Fahrzeuge großen Schaden anrichten könnten, sagte er: „KI lernt mit menschlichen Daten. Wir Menschen beleidigen uns. Wir führen Kriege. Nicht die KI ist böse, sondern wir Menschen. Vielleicht müssen wir erst bessere Menschen werden, damit auch die KI zu unseren Gunsten genutzt werden kann.“

Bleiben Sie auf dem Laufenden in der Welt der Mobilität!

Melden Sie sich noch heute für unseren Newsletter an und erhalten Sie als Erste*r Informationen über die kommende Fachmesse für Mobilität in Berlin.