Die Branche hat richtig Lust auf Zukunft
Ob Nachhaltigkeit, KI oder autonomes Fahren – die Bus- und Zulieferindustrie packt die Herausforderungen innovativ und entschlossen an. Das zeigten Eröffnungsreden und Keynote der BUS2BUS 2026.

Andreas Kraus, Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt in Berlin, spricht zur Eröffnung der BUS2BUS 2026 über die nachhaltige Zukunft der gelben Busse in der Hauptstadt.
Die Transformation hin zu klimafreundlicher Mobilität, der wirtschaftliche Druck, der Fachkräftemangel – die Herausforderungen der Busbranche sind groß. Das unterstrich Dirk Hoffmann, Geschäftsführer der Messe Berlin, in seiner Eröffnungsrede zum Auftakt der BUS2BUS 2026 auf der Future Forum Stage in Halle 25. „Aber wenn Sie sich hier umsehen, wird ebenso deutlich: Diese Branche hat die Lösungen – und den Willen, sie umzusetzen“, so Hoffmann.
Entlang der gesamten Wertschöpfungskette präsentieren 156 Hersteller, Zulieferer und Technologieanbieter aus 25 Ländern ihre Lösungen – von Antriebssystemen über Software bis hin zu Lade- und Infrastruktur. „Wir reden nicht nur über Transformation – wir zeigen, wie sie funktioniert“, sagte Messe-Geschäftsführer Hoffmann. Internationale Expertinnen und Experten erläutern zudem in mehr als 100 Sessions, wie etwa alternative Antriebe, Digitalisierung und neue Betriebsmodelle umgesetzt werden können. Denn: „Die Zukunft der Busmobilität entsteht nicht im Alleingang, sondern im Austausch – und genau dafür ist die BUS2BUS da.“
BUS2BUS ZONE auf der InnoTrans Asia
Dieses Konzept der BUS2BUS in Berlin, das Fachmesse, Fachprogramm und Content-Plattform verbindet, wird im nächsten Jahr auch in Asien erlebbar sein, mit einer eigenen BUS2BUS ZONE auf der InnoTrans Asia in Singapur, vom 7. bis 9. September 2027. „Wir bringen die Themen der BUS2BUS und ihr Netzwerk in neue Märkte und stärken den internationalen Austausch“, kündigte Dirk Hoffmann an. Und auch in Berlin entwickelt die Messe sich weiter. Ab 2028 wird die BUS2BUS auf drei Tage verlängert.
Für Karl Hülsmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) e.V., war schon am Mittwoch beim Reinkommen klar: „Das ist die beste BUS2BUS bislang aller Zeiten.“ Man spüre den ganz besonderen Blick nach vorne, „die Branche hat richtig Lust auf Zukunft“ sagte er in seiner Rede zur Eröffnung. Auf der Messe werde präsentiert, diskutiert, ausprobiert, Mobilität gemeinsam weitergedacht, entwickelt – und sich vernetzt. Hülsmann verwies dabei auch auf die sehr enge Verbindung zur Politik, zum Verkehrsausschuss und dem Parlamentskreis Bus. Beide seien mit Besuchen auf der Messe vertreten. Er freue sich über diesen starken politischen Rückenwind.
Rückgrat der klimafreundlichen Mobilität
Den brachte auch Andreas Kraus, Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt in der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, mit zur Messe-Eröffnung. „Der Busverkehr ist ein Rückgrat der klimafreundlichen Mobilität und eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel im Personenverkehrsbereich“, sagte Kraus. Allein in Berlin nutzten Tag für Tag rund eine Million Fahrgäste die gelben Busse. „Das macht deutlich, wie wichtig dieses Verkehrsmittel fürs Funktionieren dieser Stadt ist. Das wollen wir weiter verbessern und entwickeln.“ Die BUS2BUS zeige die Wege, so Kraus, wie Mobilität, Klimaschutz und Lebensqualität Hand in Hand gehen, aber auch, wie viel Innovationskraft in der Branche stecke.
Ein wesentlicher Bestandteil der Transformation ist für den Berliner Staatssekretär die Antriebswende im Busverkehr. „Berlin hat sich gemeinsam mit der BVG zum Ziel gesetzt: Bis 2035 soll die gesamte Busflotte dekarbonisiert sein.“ Heute schon seien fast 300 Elektrobusse im täglichen Einsatz, 270 sollen noch dazukommen. Auch die Automatisierung großer Linienfahrzeuge sei ein wichtiger Baustein für die Mobilität für morgen, so Kraus.
KI? Einfach mal anfangen
Das große Zukunftsthema Künstliche Intelligenz erläuterte Fabian Westerheide in seiner Keynote „KI im Mittelstand: Weniger Bürokratie. Mehr Geschwindigkeit“. Als Investor, Autor und Speaker zählt Westerheide zu den profiliertesten Stimmen für KI und digitale Transformation in Europa. Sein Rat war klar: „Fangen Sie klein an, testen Sie ein Pilotprojekt, das für Sie passt.“ Es gehe nicht darum, in Sachen KI der Erste zu sein, sondern darum, die für den eigenen Betrieb richtigen Anwendungen umzusetzen und kontinuierlich zu optimieren. Wichtig sei ein innerer Kulturwandel und das Thema strategisch auf Vorstandsebene anzusiedeln.
Wie kann KI dann die Busbranche verändern? „Selbstfahrende Logistik, intelligente Fertigung, automatisierte Kundenbetreuung und autonome KI-Systeme übernehmen komplexe Aufgaben“, prognostizierte Westerheide. Mensch und Maschine arbeiteten dabei als Team. „KI-Agenten werden zum digitalen Kollegen, die bei Routineaufgaben unterstützen, Analysen in Echtzeit liefern und so Raum schaffen für kreative und strategische Arbeit.“ Vieles ließe sich durch KI besser und günstiger lösen, so der Experte. Das bringe entscheidende Wettbewerbsvorteile und könne eine der größten Herausforderungen abmildern: den Fachkräftemangel.