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switchh-Punkte als Schnittstelle moderner Mobilität

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Das Hamburger Projekt switchh zeigt urbane Mobilität als ganzheitlichen, umfassenden und komfortabel zugänglichen Service. Digitale Lösungen mittels App werden mit den switchh-Punkten als bauliche Schnittstelle der Mobilitätsformen kombiniert.

ÖPNV ist eigentlich die Urform der Sharing-Economy: Eine Stadt wurde im 19. Jahrhundert mobil, in dem sich die Menschen den Pferdeomnibus und später die Pferdebahn teilten und für deren zeitweise Benutzung ein Entgelt entrichteten. Vor allem ab Ende der 1950er Jahre wurde privater Autobesitz auch in Hamburg zu einem Massenphänomen, weil damit zunächst viele Verkehrsbedürfnisse schnell und befriedigend gelöst werden konnten. Diese entstanden durch die im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstörten, dicht besiedelten zentralen Einzugsgebiete des Verkehrsnetzes.

Digitale Lösungen für mehr Mobilität

Digitale Lösungen für mehr Mobilität
© Frank Muth

Im 21. Jahrhundert treffen nun mehrere Entwicklungen zusammen: Hamburg boomt und die Infrastruktur wird erst mit zeitlicher Verzögerung darauf reagieren können. Hamburg will als Standort des ITS-Kongresses 2021 in Deutschland, bei dem es um intelligente Transportsysteme gehen wird, daher viele neue Konzepte ausprobieren, wie durch die Digitalisierung in kurzer Zeit mehr Mobilität geschaffen werden kann.

Durch die Digitalisierung lässt sich das „Sharing“ von Gegenständen via Smartphone ohne Zeitaufwand und einfach organisieren. Damit werden neue Mobilitätsformen möglich, die die Grenze zwischen ÖPNV und Individualverkehr verschwimmen lassen. Die Hamburger Hochbahn versteht ihr Engagement beim Projekt switchh auch als Wegbereiter für eine nachhaltige Mobilität, denn grundsätzlich will das Unternehmen in der Zukunft als „Organisator geteilter Mobilität“ fungieren.

Die Hamburger Hochbahn arbeitet seit 2012 an dem Projekt. Der Begriff switchh für das neue Angebot basiert einerseits auf dem englischen Ausdruck to switch für wechseln und beinhaltet andererseits über das hh auch die gängige Abkürzung für Hansestadt Hamburg. Ziel ist es, Schnittstellen für das Umsteigen von U- und S-Bahn (sowie Bus) auf Car-Sharing-Fahrzeuge und Mieträder zu schaffen.

Aus dem damals zunächst auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekt ist inzwischen ein Netzwerk von rund 20 switchh-Punkten geworden, von denen 15 an zentralen Schnellbahnhaltestellen – darunter alle fünf Fernbahnhöfe der Stadt – eingerichtet wurden. Inzwischen werden die switchh-Punkte in etwas kleinerer Ausführung auch in Stadtteilen ausgerollt, in denen sich die nächste Bushaltestelle in 50 bis 250 Metern Fußwegentfernung befindet. Das Ziel ist, in den Quartieren durch die auffällige Präsenz eines „switchh-Punktes“ das Bewusstsein dafür zu stärken, dass geteilte Mobilität gut organisiert bereits im Stadtteil vorhanden ist.

30 neue switchh-Punkte allein in 2018

30 neue switchh-Punkte allein in 2018
© Frank Muth

Planung, Bau und Finanzierung der switchh-Punkte obliegen der Hamburger Hochbahn. Die Hochbahn entwickelt und betreibt switchh im Rahmen ihrer regulären Geschäftstätigkeit. Dafür erhält sie weder Zuwendungen der Stadt noch verursacht switchh sonstige Kosten für die Stadt, die über die gewöhnliche Verwaltungstätigkeit zum Beispiel im Rahmen von Genehmigungsverfahren hinausgehen. switchh ist außerdem Bestandteil der ITS-Strategie der Stadt Hamburg.

Rückmeldungen zeigen laut Hochbahn, dass das Angebot gut angenommen werde. Vor allem die zentralen Standorte würden hoch frequentiert. Bis Ende 2018 ist die Zahl der switchh-Punkte um 30 auf 45 angewachsen und soll im Laufe des Jahres 2019 weiter auf etwa 70 steigen. Die Mehrzahl der neuen Standorte ist in den Quartieren (St. Georg, Neustadt, St. Pauli …) entstanden. Aber es werden auch einige weitere switchh-Punkte an Schnellbahnhaltestellen hinzukommen. Perspektivisch soll es einmal rund 100 switchh-Punkte in der Stadt geben.

Die switchh-Punkte in den Quartieren sollen dabei einen natürlichen Anlaufpunkt bilden, an dem der Bürger mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fahrzeug oder einen Abstellplatz vorfinden kann. Grundsätzlich sollen an diesen Mobilitätspunkten neben Stellplätzen für Car-Sharing-Fahrzeuge auch solche für Leih-E-Roller, Lastenräder und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder eingerichtet werden.

Individuelle Gestaltung der Schnittstelle zum ÖPNV

Individuelle Gestaltung der Schnittstelle zum ÖPNV
© Frank Muth

Generell werden die switchh-Punkte in enger Abstimmung mit den Bezirken geplant. Dabei wird auf das gewachsene Umfeld Rücksicht genommen und die Gestaltung jeweils individuell angepasst. Gemeinsam ist allen switchh-Punkten, dass die Stellplatzflächen in mit grüner Farbe gekennzeichnet und mit einer etwa 2,50 Meter hohen Lichtsäule markiert sind, auf der neben der Markierung switchh – Hamburg verbinden die Namen der Car-Sharing-Anbieter sowie von StadtRAD und des Verkehrsverbunds HVV angebracht sind.

An der U-Bahnstation Wandsbek Markt befindet sich auf dem dreieckigen Platz zwischen drei breiten Straßenzügen die Bus-Umsteigeanlage. Am südlichen Rand des Platzes wurde seitlich ein Parkstreifen mit sieben Stellplätzen markiert. Zwischen diesem und dem Abgang zur Verteilerebene befindet sich außerdem eine Station des StadtRAD-Systems.

An der wichtigen oberirdischen Station Kellinghusenstraße mit täglich rund 80.000 Fahrgästen sehen die Platzverhältnisse wieder anders aus: Hier konnten westlich der Station elf zusammenhängende Stellplätze geschaffen werden, an die sich drei Taxi-Stellplätze anschließen. Diese liegen direkt vor dem Eingang des beliebten Holthusen-Schwimmbads. Die Fahrrad-Stellplätze befinden sich dagegen unmittelbar östlich der U-Bahnstation bei den Bushaltestellen.

Am Berliner Tor konnte eine vorhandene kleine Parkplatzfläche genutzt werden, die zwischen der S-Bahn-Doppelhaltestelle, der Hauptstraße und einem Häuserblock liegt. Unter der Hauptstraße befindet sich der viergleisige U-Bahnhof. Die Eingänge zur S-Bahn, die Treppenabgänge zur U-Bahn und eine Bushaltestelle befinden sich unmittelbar neben der Fläche des switchh-Punktes, weitere Bushaltestellen sind über Treppen erreichbar. Ferner wurde eine neue HVV-Servicestelle eingerichtet, die persönliche Mobilitätsberatung und die Anmeldung zu switchh anbietet.

An der innerstädtischen Hochbahnstation Rödingsmarkt konnte wiederum ein Stück Parkfläche unter dem Hochbahnviadukt zum switchh-Punkt umgestaltet werden, so dass man ohne die Straße zu überqueren von den Stellplätzen direkt zu den Fahrstühlen gelangen kann, die zu den Seitenbahnsteigen führen. Fußgängerüberwege ermöglichen einen sicheren Fußweg zu den Bushaltestellen.

An der oberirdischen U-Bahnstation Saarlandstraße beim Stadtpark konnte die Fläche vor dem südlichen Eingang zur Schalterhalle genutzt werden, um zentral an einer Stelle ein abschließbares Fahrradparkhaus, eine StadtRAD-Station und an der westlichen Seite der Fahrbahn der Saarlandstraße auch einen Stellplatz für sechs Car-Sharing-Fahrzeuge, fünf Plätze für Mietfahrzeuge sowie drei Stellplätze für Taxis einzurichten.

Die switchh-Punkte kommen in die Quartiere

Die switchh-Punkte kommen in die Quartiere
© Frank Muth

In Ergänzung zu den bisherigen zentralen switchh-Punkten an ÖPNV-Knotenpunkten entstehen seit November 2017 zusätzlich switchh-Punkte in den Quartieren. Sie liegen direkt vor der Haustür und somit nah am Bedarf der Anwohnerinnen und Anwohner. Um geeignete Standorte zu ermitteln, wurden im Zuge des städtischen Projektes „firstmover.hamburg“ vor Ort Befragungen durchgeführt. Enge Abstimmungen mit den Bezirken und Projektpartnern lieferten zudem wichtige Erkenntnisse zur Lage und Gestaltung.

Die mittlerweile fünf neuen Standpunkte in den urbanen Quartieren Eimsbüttel und Ottensen verfügen über je drei Stellplätze für Car-Sharing sowie über Flächen für Fahr-, Lastenräder und E-Roller. Weitere Quartier-Standorte sollen auch im Norden der Stadt entstehen. Wesentliche Faktoren für die weiteren Standortentscheidungen waren dort zum einen, ob es im Quartier noch keinen U- oder S-Bahnanschluss gibt und zum anderen, ob es im Gebiet nicht nur hohen Parkdruck, sondern auch schon eine bestehende Nachfrage nach Car-Sharing gibt.

Die switchh-App heute und in Zukunft

Die switchh-App heute und in Zukunft
© Frank Muth

Seit der Pilotphase wurde das Angebot weiter entwickelt. Aktuell können alle switchh-Kunden zwischen insgesamt 1.500 Fahrzeugen der Kooperationspartner car2go, DriveNow und cambio sowie rund 2.500 Stadträdern wählen, um sich ihren Weg durch die Stadt zu bahnen, wenn sie nicht den ÖPNV nutzen können oder möchten. Die Fahrzeuge von car2go, DriveNow und Cambio können direkt reserviert werden. Ihre aktuellen Standorte im Stadtgebiet werden in der HVV-App auch angezeigt. Der Nutzer benötigt eine switchh-Card, die monatlich 8,90 Euro kostet und bereits Freiminuten beziehungsweise ein Startguthaben enthält. Die Registrierung ist kostenlos. Voraussetzung ist ein seit mindestens einem Jahr gültiger Führerschein für die Nutzung der Mietwagen sowie ein Personalausweis und eine Bankverbindung.

Die digitale Plattform switchh soll zu einer One-Stop-Shop-Lösung ausgebaut werden. switchh soll künftig gebündelt in einer App Auskunft, Ticketing und den direkten Zugriff auf die öffentlichen Mobilitätsangebote der Stadt wie car2go, DriveNow, StadtRAD, CleverShuttle, cambio und mehr ermöglichen. Im Gegensatz zu anderen Apps muss sich der Kunde dann nicht mehr vorab bei den Anbietern registrieren. Die erweiterte Mobilitätsplattform wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2019 vorgestellt.